Stauder's Wauzis

Die "Wauzi-Bank"

Die „Wauzi-Bank“ ist unser neuer „Frisiertisch“. Hierüber müssen wir, die Stauderswauzis Bandit, Hannah, Enyo und Lilli, unbedingt berichten. Denn wir sind über diese neue Errungenschaft gar nicht begeistert und verstehen überhaupt nicht, warum sich Herrli und Frauli über die vom Nachbarn gefertigte und von ihm eigens signierte „Wauzi-Bank“ so freuen.

 


Vor einigen Wochen hielten wir uns mal wieder im Garten auf.  Es war wie immer super toll. Wir konnten rennen,  spielen und Blödsinn machen.  Da sah Frauli unseren Nachbarn im Garten hantieren. Er hatte so ein Gestell gezimmert und sagte, dass das ein „Hochstand“  für Bauarbeiten sei, damit man auch an höher gelegene Arbeiten gut ran kommt.
Was unser Frauli nun zu ihm sagte, war uns unbegreiflich und wir konnten dessen Reichweite und Auswirkungen für uns auch noch gar nicht abschätzen. Sie sagte zu ihm, das sei ja geradezu ein idealer “Frisiertisch“ für Hunde. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir allerdings keineswegs was „frisieren“ heißt und dachten, da kommt ein neues Spielgerät in den Garten. Da der Tisch etwas höher war, freuten wir uns schon drauf zu klettern, runter zu springen und unten durch zu flitzen.
Doch weit gefehlt. Frauli hatte noch nicht recht ausgesprochen, stand dieser „Frisiertisch“  in unserem Garten. Und schwupps die wupps einer nach dem anderen von uns darauf. Jetzt wissen wir was „frisieren“ heißt. Das ist wohl ein anderes Wort für Kämmen und Bürsten und das gefällt uns entgegen der landläufigen Meinung gar nicht. Wir empfinden dieses „Frisieren“ als Qual, das wollen wir hier an dieser Stelle mal deutlich anbringen. Warum nicht ein bisschen Filz im Haar. Die Menschen sagen immer, dass wir vom Wolf abstammen. Und ehrlich gesagt, habt ihr schon mal einen „frisierten“ Wolf gesehen? Aber uns frägt ja niemand.
Wir werden nicht nur gekämmt und gebürstet, nein -  unser tolles Haarkleid wird sogar immer wieder an verschiedenen Stellen einfach abgeschnitten. Welch‘  eine Frechheit. Gerade in diesen Haaren verfängt sich ja der Schmutz unserer Abenteuer besonders gut und wir können anderen Hundekumpels damit etwas imponieren.  Wir geben uns immer die größte Mühe, dass die Franzen an den Beinen und am Hintern möglichst lang sind und gut riechen, dann kommt das Frauli und schnippelt einfach an unserem Pelz rum! Unverschämtheit!
Wir haben einstimmig beschlossen, dass „frisieren“ uncool, völlig überflüssig und eine Tortur für uns darstellt. Sollen sich doch das Frauli und das Herrli einmal im Monat „frisieren“ lassen, wenn es ihnen so Spaß macht. Wir verstehen auch ganz und gar nicht, wie sich das Frauli immer so auf ihren Friseurtermin freuen kann.
Aber wir schweifen zu weit vom eigentlichen Thema - der „Wauzi-Bank“ - ab. Nun wieder zur eigentlichen Geschichte. Also jetzt stand dieser „Frisiertisch“ in unserem Garten. Dies gefiel unserem Nachbar aber gar nicht, denn der sagte, dass der Tisch für Bauarbeiten benötigt werde und für den Garten eh‘ viel zu hässlich sei. Wir freuten uns schon riesig, als der Tisch wieder verschwand.
 - Gott sei Dank, endlich wieder unsere Ruhe -
Nun kommt aber das große ABER und die eigentliche Wahrheit: Unser Nachbar wollte den „Bauarbeiterfrisiertisch“  nicht dauernd sehen, wenn er in unseren Garten schaut, sondern extra  einen neuen und  viel viel hübscheren Tisch basteln. Gesagt – getan. Schon waren neue Bretter zugesägt.
Wir fuhren dann in den Urlaub. Beim Wegfahren dachten wir, vielleicht vergisst der Nachbar unseren „Frisiertisch“, wenn wir nur lange genug weg sind und hofften, dass das Thema damit im wahrsten Sinne des Wortes ‚vom Tisch ist‘!
Aber bei weitem nicht! Als wir wieder zu Hause waren, präsentierte er uns die neu zusammengezimmerte „Wauzi-Bank“.


Hierbei hat er sich überaus größte Mühe gegeben, die Bank entsprechend aller Wünsche des Frauli in Höhe und Breite für rückenschonendes ‚Arbeiten an uns‘  herzustellen. Dann hat er die „Wauzi-Bank“ mit verschiedensten Farben angestrichen. Aber bei der Platte oben drauf kam so richtig sein künstlerisches Talent zum Vorschein. Zunächst hat er einen Halbbogen ausgeschnitten und darüber das Wort „Wauzi-Bank“ geschrieben, so dass die einzelnen Buchstaben akkurat angeordnet sind. Anschließend hat er Hundepfötchen als Schablone ausgestochen und die Platte mit diesen Pfötchen bemalt. Auf der rechten Seite wurden noch die Anfangsbuchstaben von Frauli und Herrli aufgemalt. Selbst signiert hat er sein Werk natürlich auch, aber so, dass die Signatur nur der gewiefte Fachmann entdeckt.

Oben konntet ihr ja schon die leere „Wauzi-Bank“ begutachten. Hier ist sie nun mit allen „Folterwerkzeugen“ des Frauli. Wir wollen die einzelnen Werkzeuge gar nicht näher beschreiben, ihr seht sie ja eh. Nur müssen wir nochmals betonen, dass wir nicht glauben, dass jemals ein Wolf mit solch gefährlichen Gegenständen bearbeitet wurde. Seine Haare gehen einfach von selbst raus.


Ich, der Enyo, bin der ärmste der Stauderswauzis. Warum - das werdet ihr in Kürze schon noch lesen. Wir haben im Rudel durchgesprochen, wer den weiteren Verlauf der Geschichte erzählen soll. Da ich die meisten und längsten Haare habe, wurde ich zum Rudelsprecher ernannt.
Jedes Mal muss ich 30 – 45 Minuten auf dieser  „Folterbank“ stehen. Es wird an mir herumgezupft, gebürstet und gekämmt was das Zeug hält. Anschließend kommt noch eine oder mehrere Scheren zum Einsatz und Frauli ist anschließend ganz stolz auf ihre Leistung. Ich mache das auch nur mit, weil ich hinterher den einen oder anderen Leckerbissen für mein Stillhalten bekomme. Aber was manche so Stillhalten nennen. Ich johle und piepse was das Zeug hält. Gut – ich springe nicht vom Tisch. Vielleicht wird es Frauli ja irgendwann einmal zu dumm und sie hört früher auf oder noch besser, sie fängt die „Frisiererei“ erst gar nicht an. Frauli soll ruhig merken, dass mir diese Behandlung missfällt.


Doch letztens hat sie bei Lilli, unserem neusten Rudelmitglied, ein bisschen arg übertrieben. Lilli ist ja wie alle wissen ein Kleinspitzmädchen. Nach dem „Frisieren“ sah sie wie eine Miniausführung eines belgischen Schäferhundes aus. Ich glaube das ist passiert, weil Frauli zuerst mir die Haare abgeschnitten hat und so im Schneiden drin war, dass bei Lilli aus Versehen einfach meine Haarlänge weggeschnippelt  wurde. Lilli schien das nicht zu stören, Frauli war es aber doch etwas peinlich. Hö, hö, hö.


Also Bandit, mein kleiner Freund der Sheltie, ist ja eigentlich der Chef im Rudel. Aber wenn es um’s „frisieren“ geht ist er ganz kleinlaut, auch wenn er sonst sein Hundegöschchen ganz schön weit aufreißt. Er steht still und starr wie eine Statue aus Stein auf der „Wauzi-Bank“ und lässt alles mit einer stoischen Ruhe über sich ergehen. Vielleicht liegt es an seinem Alter, da er ja schon ein Hundeopa ist. Auf jeden Fall bewundere ich ihn jedes Mal. Ich kann das wie oben beschrieben nicht so ruhig hinnehmen, das würde sonst an meiner Ehre kratzen. Er steht am zweitlängsten auf dem Tisch, da er auch Unmengen von Haaren hat, die gerne verfilzen.


Jetzt gerade, während ich dies erzähle,  muss ich kurzerhand unterbrechen und springe freiwillig auf die „Wauzi-Bank“, denn soeben hat draußen ein Hundekumpel gebellt. Von da oben hat man einfach eine super Aussicht aus dem Garten raus. Na ja, für das ist der Tisch nicht schlecht, das muss ich einfach zugeben. Auch die Nachbarn freuen sich, wenn ich ohne Aufforderung meinen „Ausguck“ einnehme. Da der Tisch die ganze Zeit im Garten steht, können wir dann wie zunächst angenommen doch auch mal drunter durch flitzen. Wobei ich, aufgrund meiner Größe, die schlechteren Karten als meine 3 Zwerge habe.

Am kürzesten steht immer die kleine Hannah oben. Bei ihr scheinen die Haare nie zu wachsen. Wenn Frauli mit der Bürste durch ihren Pelz fährt, bleiben meistens kaum Haare in der Bürste hängen. Auch mit der Schere wird sie äußerst wenig bearbeitet. So ein Glückspilz. In meinem nächsten Leben komme ich hoffentlich als Teckele auf die Welt.


So – genug erzählt. Ich muss jetzt wieder los, draußen wartet das nächste Abenteuer auf mich und ich hoffe ein bisschen dieses Abenteurers bleibt auch in meinem Fell hängen. Hi Hi.
Außerdem muss ich dringend mal wieder dieses kleine belgische Spitzmädle durch die Gegend jagen, bis sie einen Purzelbaum macht. Das scheint ihr Spaß zu machen, denn sie blinzelt mir vorher immer zu und fordert mich, den großen Enyo, zum Rennen auf! Eine prima Zwergenkumpelin ist das, echt!
Also dann, bis zum nächsten Schnipp – Schnapp - Schnäppchen!