Stauder's Wauzis

Yessi

                                            
 
                Yessi  - Rauhaarteckelin (1993 - 2007)
 
 

Monde und Jahre vergehen,

aber ein schöner Moment leuchtet

das Leben hindurch.

                                 Franz Grillparzer

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Yessi bei einer Rettungshundeübung
                                                                                                                            in  der Schweiz
 

Die kleine Yessi - wir haben sie 'als Gesellschafterin' für unseren damals in die Jahre gekommenen Vasco im Alter von zwölf Wochen zu uns geholt.

Als wir den Wurf bei ihrem Züchter ('von der Kocherperle')  besuchten, war noch sie und ihr Brüderchen 'Yoker' auf der Suche nach einem Platz für's Leben.

Der Züchter hatte sehr große Bedenken, einen seiner kleinen Welpen zu so einem großen 'gefährlichen' Hund zu vergeben.

Der kleine Yoker rannte quitschend weg, als er Vasco erblickte, die kecke Yessi hingegen inspizierte erst einmal Vascos Zahnstellung, der aus Verlegenheit genüßlich gähnte.

Nachdem die Kleine heil aus dem Rachen von dem Großen wieder heraus kroch, war sie wohl irgendwie müde und verschwand erst mal. Wir entdeckten sie wenige Minuten später in meiner großen Ledertasche wieder, die neben dem Eingang am Boden stand.

So war die Entscheidung schnell getroffen, Yessi hatte sich 'uns' heraus gesucht.

Sie hielt für uns ein Leben voller Streiche, neuer Erkenntnisse über die Erziehung von Hunden, Geduld (bis sie von ihren Ausflügen wieder heim kehrte) und sonstiger 'Teckelspäße' bereit.

So hat sie z.B.  einmal unter dem Tisch die Schuhe unserer Gäste (von denen unbemerkt) vernagt.

Ja - aber die größte Wendung trat in unser Leben, als wir uns mit ihr einer Rettungshundestaffel anschlossen. Dort war kurz zuvor ein sehr geschätzter Rettungshundeausbilder aus der Schweiz zu einem Vortrag angereist. Wir hatten uns an jenem Nachmittag zu einem 'Schnuppertermin' dort eingefunden und die kleine Teckelhündin begeisterte den 'Rettungshundeguru' derart, dass wir beschlossen, mit Yessi die Ausblidung zum Trümmersuchhund zu beginnen.

Nichts lag eigentlich näher, als ihre 'Jagdleidenschaft' in die Suche im Trümmergelände zu lenken, wo sie als Leichtgewicht den großen, schwereren Hunden ohnehin im Vorteil war.

Was keiner zuvor geglaubt hatte wurde wahr. Sie bestand die erforderliche Begleithundeprüfung, die Rettungshundeprüfung und wurde 'Deutschlands erster Rettungsdackel'. Die Medien konnten gar nicht genug von Berichten über sie bekommen.

Wir waren mit ihr quer durch Deutschland und in der Schweiz zu Übungseinsätzen und Fortbildungen unterwegs und überall begeisterte sie durch zuverlässige Suchen, in dem sie ihr Herrli immer wieder mit dem Auffinden von Personen überraschte, wo nie jemand ein 'Opfer' vermutete hätte.

Dann allerdings erkrankte 'unser kleiner Star' schwer. Eine falsch behandelte Borreliose-Infektion und eine nachfolgende Herzmuskelentzündung kostete beinahe ihr junges Leben.

Als die Folgen nahezu überstanden waren, kamen die ersten schweren Beschwerden an der Bandscheibe im Lendenwirbelbereich hinzu und sie verbrachte mehrere Monate in einem  'Kinderwagen' in dem wir sie durch die Gegend schoben.

Sie konnte sich zwar fast ganz erholen, aber die 'Alte' wurde sie nicht mehr.

Jedenfalls war klar, dass wir sie nicht mehr für Suchübungen oder gar Einsätze 'verbrauchen' wollten und sie fortan 'unsere Frührenterin' sein würde.

Sie hielt uns dennoch weiterin mit ihren 'Mätzchen' auf Trab und sah gar nicht ein, warum man nicht das eine oder andere Mal eine Rehspur erkunden sollte.

Außerdem war sie eigentlich die 'Chefin' unseres Rudels, das in ihren späteren Jahren dann aus vier Wauzis bestand.

In gutem Zusammenwirken mit unserem Tierarzt und entsprechenden Spritzchen hier und da, wurde sie knappe fünfzehn Jahre alt, bis die Beinchen dann ihren Dienst ganz und für immer verweigerten.

Yessi, unsere kleine tapfere Freundin - wir nannten sie im Spaß oft 'ein eisenharter Kamerad' -  war nun der zweite unserer liebgewonnenen, treuen und langjährigen Begleiter, die wir verabschieden mussten, weil sie einfach nicht mehr laufen konnten.

Yessi hat uns gelehrt, dass bei Hunden nicht immer alles so 'funktioniert' wie es in Büchern geschrieben wird - und hat unsere 'Liebe' zu den Teckeln und den 'Kleinen' für immer in uns verankert.

 

 

Erinnerungen